März 2022

 

In Tausenden unserer Schweizerischen Arztpraxen werden pro Jahr an die zehn Millionen Röntgenuntersuchungen angefertigt und befundet. Gerade weil die Röntgendiagnostik einen erheblichen Stellenwert in der Patientenbehandlung hat, wird die Frage gestellt, ob durch die teleradiologisch übermittelte fachärztliche Meinung und den Einsatz der Künstlichen Intelligenz eine diagnostische Hilfestellung angeboten werden kann.

Aus Sicht der bildgebenden Diagnostiker haben die Schweizerischen Berufsgruppen der Praktischen Ärzte, der Allgemeinen Inneren Medizin, der Kinder- und Jugendmedizin, der Medizinischen Onkologie, der Neurologie und der Rheumatologie einen besonderen Stellenwert: die Befähigung zur Rechtfertigung, Durchführung und Befundung konventioneller Röntgenaufnahmen im Niedrigdosis- und – mit entsprechendem Weiterbildungstitel – im mittleren Dosisbereich. Dadurch eröffnet sich die Welt der Thorax- und Extremitätenradiologie, der Abdomen-, Becken-, Hüftgelenk- und Wirbelsäulenradiologie.

Fachärztliche radiologische Hilfestellung ist für Arztpraxen in Echtzeit online verfügbar

Während die teleradiologische Diagnostik in der Schweiz zur Abdeckung der Pickettdienste für Spitäler bereits seit mehreren Jahren verfügbar ist, gibt es seit etwa einem Jahr die teleradiologische Hilfestellung für Arztpraxen. Sobald die Interpretation kniffliger Bilder ansteht oder eine fachärztliche radiologische Meinung erwünscht ist, springt Academic Health in Echtzeit ein. Unsere Institution beschäftigt eine grosse, beständige Gruppe an MEBEKO-approbierten Fachärztinnen und Fachärzten für Radiologie mit der Spezialisierung in den wichtigsten Disziplinen wie der Unfall- und Notfallradiologie, der Thorax- und Abdomen-, der Neuro- und Muskuloskelettalradiologie. Die Bilddaten werden von den Arztpraxen durch eine hochsichere und hochverfügbare Technologie DSGVO-konform an Academic Health übertragen. Die Befunde werden auf demselben Weg, auf Wunsch bereits innert einer Stunde schriftlich, retourniert. Diese speditive Zusammenarbeit hat sich schon im ersten Halbjahr 2020 während der viralen Pandemie für die an das teleradiologische Netzwerk angeschlossenen Arztpraxen bezahlt gemacht: Die fachärztliche Auskunft über das Vorliegen oder das Fehlen von Zeichen einer Pneumonie trug zur sicheren Diagnostik für eine Vielzahl von Patienten bei. Academic Health stellt als Neuheit auch ein hochsicheres, verschlüsseltes Upload-Portal zur Verfügung. Dieses können alle Ärzte ohne Vertragsbindung nutzen, um radiologische Bilder online zur Befundung zu senden, egal wann und wie viele.

 

Die Teleradiologie ist erstmals im ersten Irakkrieg initialisiert worden, als auf US-Navy-Schiffen CT-Scanner wurden und die CT-Bilder über Satellitenverbindung an US-Heeresspitäler gesendet und von den dortigen Radiologen ausgewertet wurden. Danach fand bald eine Allokation der an Zahl limitierten fachärztlichen Expertise im privaten und öffentlich-küstenrechtlichen Bereich statt, vor allem der US-Ostküste. Findige Besitzer eines großen medizinischen Dienstleisters haben schnell mit indischen Radiologen und anderen Verträgen aus dem asiatischen Raum abgeschlossen. So wurden zwar über Nacht die Befunde im Ausland geschrieben und in der Früh von den lokalen Radiologen in Amerika gezeichnet, sprich freigegeben, was zur Entlastung der angespannten Personalsituation betrug. Diese Radiologen hatten einen nicht ausschließlich mit dem US-Standard und auch mit dem europäischen Standard konformen Ausbildungsstand. Allerdings sank das Niveau der medizinischen Kompetenz wie beschrieben gleich zu Beginn des Patientenmanagements. Und dies hat die Teleradiologie gleich in den 1990er Jahren in ein Zweilicht gestellt. Die Teleradiologie hat vor allem in der nördlichen Hemisphäre inzwischen Einzug gehalten. Die sich verbessernden Ausbildungsstandards und der schnelle Datentransport waren die Zugpferde für diese neue Industrie. 

Die Teleradiologie hat als älteste Disziplin der Telemedizin in den vergangenen Jahren erheblich an Fahrt aufgenommen. Digitale Plattformen, die den kompletten Teleradiologie-Workflow abbilden und eine ausfallsichere IT-Infrastruktur mit diversen Redundanzen, gehören heute zum Standard. Die steigenden Patientenzahlen, der stetig zunehmende Mangel an medizinischen Fachärztinnen und Fachärzten sowie der Wirtschaftlichkeitsfaktor sind Aspekte der Teleradiologie, die dieser Branche zu einem weiteren Entwicklungsschub verhelfen und ihr einen festen Platz in der klinischen Patientenversorgung sichern werden.